LORETA - Vokaalteoste eestikeelsete tõlgete andmebaas
Andmebaas sisaldab järgmisi teoseid: ooperid, oratooriumid, kantaadid, laulud ja liturgilised žanrid. Andmebaasi täiendatakse jätkuvalt uute teoste tõlgetega.

Tõlked pärinevad erinevatest allikatest ja on tehtud erineva eesmärgiga. Enamik tõlkeid ei ole mõeldud laulmiseks. EMTA raamatukogu ei ole tõlkeid sisuliselt toimetanud.

Andmebaasi koostajad on püüdnud saada ühendust kõikide tõlkijatega, kuid kahjuks pole see kõikidel juhtudel õnnestunud. Pretensioonide korral palume võtta ühendust tagasiside vormi kaudu.

Kõik andmebaasis toodud tõlked on mõeldud õppeotstarbeliseks kasutamiseks. Muudel juhtudel palume võtta ühendust tõlkijaga.

Head kasutamist!
  OTSING   AUTORID   LAULUD, AARIAD   SUURVORMID   TÕLKIJAD   SAADA TAGASISIDE

Die Zauberflöte
Võluflööt
eelmine järgmine


Muusika autor Wolfgang Amadeus Mozart
Sõnade autor Emanuel Schikaneder
Tõlge Tiiu Relve
Teose kataloogi- või oopusenumber: KV620

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Zauberflöte
Eine große Oper in zwei Aufzugen
Text von Emanuel Schikaneder
KV620

Personen

Sarastro (Basso)
Tamino (Tenore)
Sprecher (Basso)
Erster Priester (Basso)
Zweiter Priester (Tenore)
Dritter Priester (Sprechrolle)
Königin der Nacht (Soprano)
Pamina, ihre Tochter (Soprano)
Erste Dame (Soprano)
Zweite Dame (Soprano)
Dritte Dame (Soprano)
Erster Knabe (Soprano)
Zweiter Knabe (Soprano)
Dritter Knabe (Soprano)
Ein WEIB (Papagena) (Soprano)
Papageno (Basso)
Monostatos, ein Mohr (Tenore)
Erster geharnischter Mann (Tenore)
Zweiter geharnischter Mann (Basso)
Erster Sklave (Sprechrolle)
Zweiter Sklave (Sprechrolle)
Dritter Sklave (Sprechrolle)
Coro: Priester, Sklaven, Gefolge

Ouverture

Erster Aufzug

Das Theater ist eine felsige Gegend,
hier und da mit Bäumen überwachsen;
auf beiden Seiten sind gangbare Berge,
nebst einem runden Tempel.

Erster Auftritt

(Tamino kommt in einem prächtigen javonischen Jagdkleide
rechts von einem Felsen herunter,
mit einem Bogen, aber ohne Pfeil;
eine Schlange verfolgt ihn.)

1. Introduction

TAMINO
Zu Hilfe! Zu Hilfe! sonst bin ich verloren,
Der listigen Schlange zum Opfer erkoren.
Barmherzige Götter! Schon nahet sie sich.
Ach rettet mich! Ach schützet mich!

(Er fällt in Ohnmacht; sogleich öffnet sich die Pforte des Tempels;
drei verschleierte Damen kommen heraus,
jede mit einem silbernen Wurfspieß.)

DREI DAMEN
Stirb, Ungeheur, durch unsre Macht!
(Sie stoßen die Schlange zu drei Stücken entzwei.)
Triumph! Triumph! Sie ist vollbracht
Die Heldentat! Er ist befreit
Durch unsres Armes Tapferkeit.

ERSTE DAME
Ein holder Jüngling sanft und schön!

ZWEITE DAME
So schön, als ich noch nie gesehn.

DRITTE DAME
Ja ja gewiß! zum Malen schön.

DREI DAMEN
Würdich mein Herz der Liebe weihn,
So müßtes dieser Jüngling sein.
Laßt uns zu unsrer Fürstin eilen
Ihr diese Nachricht zu erteilen.
Vielleicht daß dieser schöne Mann
Die vorge Ruhihr geben kann.

ERSTE DAME
So geht und sagt es ihr,
Ich bleibindessen hier.

ZWEITE DAME
Nein nein, geht ihr nur hin,
Ich wache hier für ihn!

DRITTE DAME
Nein nein, das kann nicht sein!
Ich schütze ihn allein.

ERSTE DAME
Ich bleibindessen hier!

ZWEITE DAME
Ich wache hier für ihn!

DRITTE DAME
Ich schütze ihn allein!

ERSTE DAME
Ich bleibe!

ZWEITE DAME
Ich wache!

DRITTE DAME
Ich schütze!

DREI DAMEN
Ich! Ich! Ich!
([Jede] für sich.)
Ich sollte fort! Ei ei! wie fein!
Sie wären gern bei ihm allein
Nein nein! das kann nicht sein!
Was wollte ich darum nicht geben,
Könntich mit diesem Jüngling leben!
Hättich ihn doch so ganz allein!
Doch keine geht, es kann nicht sein,
Am besten ist es nun, ich geh’.
Du Jüngling, schön und liebevoll,
Du trauter Jüngling, lebe wohl,
Bis ich dich wiederseh’.
(Sie gehen alle drei zur Pforte des Tempels ab,
die sich selbst öffnet und schließt.)

TAMINO
(Erwacht, sieht furchtsam umher.)
Wo bin ich! Ists Fantasie, daß ich noch lebe?
oder hat eine höhere Macht mich gerettet?
(Steht auf, sieht umher.)
Wie? Die bösartige Schlange liegt tot zu meinen Füßen?

(Man hört von fern ein Waldflötchen,
worunter das Orchester piano accompagniert.)

TAMINO
(Schpricht unter dem Ritornell.)
Was hörich? Wo bin ich?
Welch unbekannter Ort! Ha,
eine männliche Figur nähert sich dem Tal.
(Versteckt sich hinter einem Baum.)


Zweiter Auftritt

(Papageno kommt den Fußsteig herunter,
hat auf dem Rücken eine große Vogelsteige,
die hoch über den Kopf geht,
worin verschiedene Vögel sind;
auch hält er mit beiden Händen ein Faunen-Flötchen,
pfeift und singt.)

2. Aria

PAPAGENO
Der Vogelfänger bin ich ja
Stets lustig heißa hopsasa!
Ich Vogelfänger bin bekannt
Bei Alt und Jung im ganzen Land.
Weiß mit dem Locken umzugehn
Und mich aufs Pfeifen zu verstehn.
Drum kann ich froh und lustig sein,
Denn alle Vögel sind ja mein.

Der Vogelfänger bin ich ja
Stets lustig heißa hopsasa!
Ich Vogelfänger bin bekannt
Bei Alt und Jung im ganzen Land.
Ein Netz für Mädchen möchte ich,
Ich fingsie dutzendweis für mich;
Dann sperrte ich sie bei mir ein,
Und alle Mädchen wären mein.

Wenn alle Mädchen wären mein,
So tauschte ich brav Zucker ein:
Die, welche mir am liebsten wär’,
Der gäbich gleich den Zucker her.
Und küßte sie mich zärtlich dann,
Wärsie mein Weib und ich ihr Mann.
Sie schliefan meiner Seite ein,
Ich wiegte wie ein Kind sie ein.
(Pfeift, will nach der Arie nach der Pforte gehen.)

TAMINO
(Nimmt ihn bei der Hand.)
He da!

PAPAGENO
Was da!

TAMINO
Sag mir, du lustiger Freund, wer du seist?

PAPAGENO
Wer ich bin?
(Für sich.) Dumme Frage!
(Laut.) Ein Mensch, wie du.
Wenn ich dich nun fragte, wer du bist?

TAMINO
So würde ich dir antworten, daß ich aus fürstlichem Geblüte bin.

PAPAGENO
Das ist mir zu hoch.
Mußt dich deutlicher erklären, wenn ich dich verstehen soll!

TAMINO
Mein Vater ist ein Fürst,
der über viele Länder und Menschen herrscht;
darum nennt man mich Prinz.

PAPAGENO
Länder?... Menschen?... Prinz?...

TAMINO
Daher fragich dich!

PAPAGENO
Langsam! laß mich fragen...
Sag du mir zuvor:
Gibts außer diesen Bergen auch noch Länder und Menschen?

TAMINO
Viele Tausende!

PAPAGENO
Da ließ’ sich eine Spekulation mit meinen Vögeln machen.

TAMINO
Nun sag du mir, in welcher Gegend wir sind...

PAPAGENO
In welcher Gegend? (Sieht sich um.)
Zwischen Tälern und Bergen.

TAMINO
Schon recht! aber wie nennt man eigentlich diese Gegend?
Wer beherrscht sie?

PAPAGENO
Das kann ich dir ebensowenig beantworten, als ich weiß,
wie ich auf die Welt gekommen bin.

TAMINO
(Lacht.) Wie? Du wüßtest nicht,
wo du geboren, oder wer deine Eltern waren?

PAPAGENO
Kein Wort!... Ich weiß nicht mehr und nicht weniger,
als daß mich ein alter,
aber sehr lustiger Mann auferzogen und ernährt hat.

TAMINO
Das war vermutlich dein Vater?

PAPAGENO
Das weiß ich nicht.

TAMINO
Hattest du denn deine Mutter nicht gekannt?

PAPAGENO
Gekannt habich sie nicht; erzählen ließ ich mirs
einige Mal, daß meine Mutter
einst da in diesem verschlossenen Gebäude
bei der nächtlich sternflammenden Königin gedient hätte.
Ob sie noch lebt, oder was aus ihr geworden ist,
weiß ich nicht...
Ich weiß nur so viel,
daß nicht weit von hier meine Strohhütte steht,
die mich vor Regen und Kälte schützt.

TAMINO
Aber wie lebst du?

PAPAGENO
Von Essen und Trinken, wie alle Menschen.

TAMINO
Wodurch erhältst du das?

PAPAGENO
Durch Tausch. – Ich fange für die sternflammende Königin
und ihre Jungfrauen verschiedene Vögel;
dafür erhaltich täglich Speisund Trank von ihr.

TAMINO
(Für sich.) Sternflammende Königin!...
Wenn es etwa gar die mächtige Herrscherin der Nacht wäre!
Sag mir, guter Freund! warst du schon so glücklich,
diese Göttin der Nacht zu sehen?

PAPAGENO
(Der bisher öfters auf seiner Flöte geblasen.)
Deine letzte alberne Frage überzeugt mich,
daß du aus einem fremden Lande geboren bist.

TAMINO
Sei darüber nicht ungehalten, lieber Freund!
Ich dachte nur...

PAPAGENO
Sehen?... Die sternflammende Königin sehen?
Wenn du noch mit einer solchen albernen Frage an mich kommst,
so sperrich dich, so wahr ich Papageno heiße,
wie einen Gimpel in mein Vogelhaus,
verhandle dich dann mit meinen übrigen Vögeln
an die nächtliche Königin und ihre Jungfrauen;
dann mögen sie dich meinetwegen sieden oder braten.

TAMINO
(Für sich.) Ein wunderlicher Mann!

PAPAGENO
Sehen?... Die sternflammende Königin sehen?...
Welcher Sterbliche kann sich rühmen,
sie je gesehen zu haben?...
Welches Menschen Auge würde durch ihren schwarz
durchwebten Schleier blicken können?

TAMINO
(Für sich.) Nun ists klar; es ist eben diese nächtliche Königin,
von der mein Vater mir so oft erzählte.
Aber zu fassen, wie ich mich hierher verirrte,
ist außer meiner Macht.
Unfehlbar ist auch dieser Mann kein gewöhnlicher Mensch.
Vielleicht einer ihrer dienstbaren Geister.

PAPAGENO
(Für sich.) Wie er mich so starr anblickt! bald
fangich an, mich vor ihm zu fürchten.
Warum siehst du so verdächtig und schelmisch nach mir?

TAMINO
Weil... weil ich zweifle, ob du Mensch bist...

PAPAGENO
Wie war das?

TAMINO
Nach deinen Federn, die dich bedecken, haltich dich...
(Geht auf ihn zu.)

PAPAGENO
Doch für keinen Vogel?
Bleib zurück, sagich,
und traue mir nicht;
denn ich habe Riesenkraft,
wenn ich jemand packe...
(Für sich.) Wenn er sich nicht bald von mir schrecken läßt,
so laufich davon.

TAMINO
Riesenkraft? (Er sieht auf die Schlange.)
Also warst du wohl gar mein Erretter,
der diese giftige Schlange bekämpfte?

PAPAGENO
Schlange! (Sieht sich um, weicht zitternd einige Schritte zurück.)
Was da! Ist sie tot oder lebendig?

TAMINO
Du willst durch deine bescheidene
Frage meinen Dank ablehnen
aber ich muß dir sagen,
daß ich ewig für deine so tapfere Handlung dankbar sein werde.

PAPAGENO
Schweigen wir davon still
freuen wir uns, daß sie glücklich überwunden ist.

TAMINO
Aber um alles in der Welt, Freund!
wie hast du dieses Ungeheuer bekämpft?
Du bist ohne Waffen.

PAPAGENO
Brauchkeine!
Bei mir ist ein starker Druck
mit der Hand mehr als Waffen.

TAMINO
Du hast sie also erdrosselt?

PAPAGENO
Erdrosselt!
(Für sich.) Bin in meinem Leben nicht so stark gewesen als heute.


Dritter Auftritt


DIE DREI DAMEN
(Drohen und rufen zugleich.) Papageno!

PAPAGENO
Aha! das geht mich an. Sieh dich um, Freund!

TAMINO
Wer sind diese Damen?

PAPAGENO
Wer sie eigentlich sind, weiß ich selbst nicht.
Ich weiß nur so viel, daß sie mir täglich meine Vögel abnehmen,
und mir dafür Wein, Zuckerbrot
und süße Feigen bringen.

TAMINO
Sie sind vermutlich sehr schön?

PAPAGENO
Ich denke nicht! denn wenn sie schön wären,
würden sie ihre Gesichter nicht bedecken.

DIE DREI DAMEN
(Drohend.) Papageno!

PAPAGENO
Sei still! sie drohen mir schon.
Du fragst, ob sie schön sind,
und ich kann dir darauf nichts antworten,
als daß ich in meinem Leben nichts Reizenders sah.
(Für sich.) Jetzt werden sie bald wieder gut werden.

DIE DREI DAMEN
(Drohend.) Papageno!

PAPAGENO
Was muß ich denn heute verbrochen haben,
daß sie gar so aufgebracht wider mich sind?
Hier, meine Schönen, übergebich meine Vögel.

ERSTE DAME
(Reicht ihm eine schöne Bouteille Wasser.)
Dafür schickt dir unsere Fürstin heute zum ersten Mal
statt Wein reines, helles Wasser.

ZWEITE DAME
Und mir befahl sie, daß ich, statt Zuckerbrot,
diesen Stein dir überbringen soll.
Ich wünsche, daß er dir wohl bekommen möge.

PAPAGENO
Was? Steine soll ich fressen?

DRITTE DAME
Und statt der süßen Feigen
habich die Ehre, dir dies goldene Schloß
vor den Mund zu schlagen.

(Sie schlägt ihm das Schloß vor.
Papageno hat seinen Schmerz durch Gebärden.)

ERSTE DAME
Du willst vermutlich wissen,
warum die Fürstin dich heute so wunderbar bestraft?

(PAPAGENO bejaht es.)

ZWEITE DAME
Damit du künftig nie mehr Fremde belügst.

DRITTE DAME
Und daß du nie dich der Heldentaten rühmst,
die andre vollzogen.

ERSTE DAME
Sag an! Hast du diese Schlange bekämpft?

(PAPAGENO deutet nein.)

ZWEITE DAME
Wer denn also?

(PAPAGENO deutet, er wisse es nicht.)

DRITTE DAME
Wir warens, Jüngling, die dich befreiten.
Zittre nicht! dich erwartet Freude und Entzücken.
Hier, dies Gemälde schickt dir die große Fürstin;
es ist das Bildnis ihrer Tochter.
Findest du, sagte sie, daß diese Züge dir nicht gleichgültig sind,
dann ist Glück, Ehrund Ruhm dein Los! Auf Wiedersehen.
(Geht ab.)

ZWEITE DAME
Adieu, Monsieur Papageno! (Geht ab.)

ERSTE DAME
Fein nicht zu hastig getrunken! (Geht lachend ab.)

(PAPAGENO hat immer sein stummes Spiel gehab.)

(TAMINO ist gleich beim Empfang des Bildnisses
aufmerksam geworden;
seine Liebe nimmt zu,
ob er gleich für alle diese Reden taub schien.)


Vierter Auftritt

3. Aria

TAMINO
Dies Bildnis ist bezaubernd schön,
Wie noch kein Auge je gesehn.
Ich fühles, wie dies Götterbild
Mein Herz mit neuer Regung füllt.
Dies Etwas kann ich zwar nicht nennen,
Doch fühlichs hier wie Feuer brennen;
Soll die Empfindung Liebe sein?
Ja, ja, die Liebe ists allein.
O wenn ich sie nur finden könnte!
O wenn sie doch schon vor mir stände!
Ich würdewürde warm und rein
Was würde ich? –
Ich würde sie voll Entzücken
An diesen heißen Busen drücken,
Und ewig wäre sie dann mein!

(Tamino will abgehen.)


Fünfter Auftritt

ERSTE DAME
Rüste dich mit Mut und Standhaftigkeit, schöner Jüngling!
Die Fürstin...

ZWEITE DAME
...Hat mir aufgetragen, dir zu sagen...

DRITTE DAME
... Daß der Weg zu deinem künftigen Glücke nunmehr gebahnt sei.

ERSTE DAME
Sie hat jedes deiner Worte gehört, so du sprachst; sie hat...

ZWEITE DAME
...Jeden Zug in deinem Gesichte gelesen.
Ja noch mehr, ihr mütterliches Herz...

DRITTE DAME.
...Hat beschlossen, dich ganz glücklich zu machen.
Hat dieser Jüngling, sprach sie, auch so viel Mut und Tapferkeit,
als er zärtlich ist,
o so ist meine Tochter ganz gewiß gerettet.

TAMINO
Gerettet? O ewige Dunkelheit!
Was hörich? Das Original?

ERSTE DAME
Hat ein mächtiger, böser Dämon ihr entrissen.

TAMINO
Entrissen? O ihr Götter! sagt, wie konnte das geschehen?

ERSTE DAME
Sie saß an einem schönen Maientage
ganz allein in dem alles belebenden Zypressenwäldchen,
welches immer ihr Lieblingsaufenthalt war.
Der Bösewicht schlich unbemerkt hinein...

ZWEITE DAME
...Belauschte sie, und...

DRITTE DAME
...Er hat nebst seinem bösen Herzen auch noch die Macht,
sich in jede erdenkliche Gestalt zu verwandeln;
auf solche Weise hat er auch Pamina...

ERSTE DAME
Dies ist der Name der königlichen Tochter, so Ihr anbetet.

TAMINO
O Pamina! du mir entrissen...
du in der Gewalt eines üppigen Bösewichts!...
bist vielleicht in diesem Augenblicke... schrecklicher Gedanke!

DIE DREI DAMEN
Schweig, Jüngling!

ERSTE DAME
Lästere der holden Schönheit Tugend nicht!
Trotz aller Pein,
so die Unschuld duldet,
ist sie sich immer gleich.
Weder Zwang noch Schmeichelei ist vermögend,
sie zum Wege des Lasters zu verführen.

TAMINO
O sagt, Mädchen! sagt, wo ist des Tyrannen Aufenthalt?

ZWEITE DAME
Sehr nahe an unsern Bergen lebt er
in einem angenehmen und reizenden Tale.
Seine Burg ist prachtvoll, und sorgsam bewacht.

TAMINO
Kommt, Mädchen! führt mich!
Pamina sei gerettet!
Der Bösewicht falle von meinem Arm;
das schwörich bei meiner Liebe, bei meinem Herzen!
(Sogleich wird ein heftig erschütternder Akkord mit Musik gehört.)
Ihr Götter! was ist das?

DIE DREI DAMEN
Fasse dich!

ERSTE DAME
Es verkündigt die Ankunft unserer Königin.
(Donner.)

DIE DREI DAMEN
Sie kommt!
(Donner.)


Sechster Auftritt

(Die Berge teilen sich auseinander,
und das Theater verwandelt sich in ein prächtiges Gemach.)

4. Recitativo ed Aria

KÖNIGIN DER NACHT
(Sitzt auf einem Thron,
welcher mit transparenten Sternen geziert ist.)
O zittre nicht, mein lieber Sohn,
Du bist unschuldig, weise, fromm
Ein Jüngling so wie du, vermag am besten,
Dies tiefbetrübte Mutterherz zu trösten.

Zum Leiden bin ich auserkoren,
Denn meine Tochter fehlet mir.
Durch sie ging all mein Glück verloren,
Ein Bösewicht entfloh mit ihr.
Noch sehich ihr Zittern
Mit bangem Erschüttern,
Ihr ängstliches Beben,
Ihr schüchternes Streben.
Ich mußte sie mir rauben sehen,
Ach helft! ach helft! – war alles was sie sprach
Allein vergebens war ihr Flehen,
Denn meine Hilfe war zu schwach.

Du, du, du wirst sie zu befreien gehen,
Du wirst der Tochter Retter sein. –
Und werdich dich als Sieger sehen,
So sei sie dann auf ewig dein.

(Mit den drei Damen ab.)


Siebenter Auftritt

(Das Theater verwandelt sich wieder so, wie es vorher war.)

TAMINO
(Nach einer Pause.)
Ists denn auch Wirklichkeit, was ich sah?
oder betäubten mich meine Sinnen?
O ihr guten Götter,
täuscht mich nicht!
oder ich unterliege eurer Prüfung.
Schützet meinen Arm, stählt meinen Mut,
und Taminos Herz wird ewigen Dank euch entgegenschlagen.
(Er will gehe.)

(PAPAGENO tritt ihm in den Weg.)


5. Quintetto

PAPAGENO
(Mit dem Schlosse vor dem Maul, winkt traurig darauf.)
Hm, hm, hm, hm, hm!

TAMINO
Der Arme kann von Strafe sagen,
Denn seine Sprache ist dahin!

PAPAGENO
Hm, hm, hm, hm, hm!

TAMINO
Ich kann nichts tun, als dich beklagen,
Weil ich zu schwach zu helfen bin!


Achter Auftritt


ERSTE DAME
Die Königin begnadigt dich,
die Strafe dir durch mich.
(Nimmt ihm das Schloß vom Maul weg.)

PAPAGENO
Nun plaudert Papageno wieder!

ZWEITE DAME
Ja plaudre! Lüge nur nicht wieder!

PAPAGENO
Ich lüge nimmermehr, nein, nein!

DREI DAMEN
Dies Schloß soll deine Warnung sein!

PAPAGENO
Dies Schloß meine Warnung sein!

ALLE
Bekämen doch die Lügner alle
Ein solches Schloß vor ihren Mund:
Statt Haß, Verleumdung, schwarzer Galle,
Bestünden Liebund Bruderbund!

ERSTE DAME
O Prinz, nimm dies Geschenk von mir,
Dies sendet unsre Fürstin dir.
(Gibt Tamino eine goldene Flöte.)
Die Zauberflöte wird dich schützen,
Im größten Unglück unterstützen.

DREI DAMEN
Hiemit kannst du allmächtig handeln,
Der Menschen Leidenschaft verwandeln,
Der Traurige wird freudig sein,
Den Hagestolz nimmt Liebe ein.

ALLE
O so eine Flöte ist mehr
Als Gold und Kronen wert,
Denn durch sie wird Menschenglück
Und Zufriedenheit vermehrt.

PAPAGENO
Nun ihr schönen Frauenzimmer
Darf ich? so empfehlich mich?

DREI DAMEN
Dich empfehlen kannst du immer,
Doch bestimmt die Fürstin dich,
Mit dem Prinzen ohnVerweilen
Nach Sarastros Burg zu eilen.

PAPAGENO
Nein dafür bedankich mich.
Von euch selbsten hörte ich,
Daß er wie ein Tigertier.
Sicher ließ’ ohnalle Gnaden
Mich Sarastro rupfen, braten,
Setzte mich den Hunden für.

DREI DAMEN
Dich schützt der Prinz, trau ihm allein.
Dafür sollst du sein Diener sein.

PAPAGENO
(Für sich.)
Daß doch der Prinz beim Teufel wäre.
Mein Leben ist mir lieb.
Am Ende schleicht, bei meiner Ehre,
Er von mir wie ein Dieb.

ERSTE DAME
(Gibt ihm eine Machine wie ein hölzernes Gelächter.)
Hier nimm dies Kleinod, es ist dein.

PAPAGENO
Ei! ei! was mag darinnen sein?

DREI DAMEN
Darinnen hörst du Glöckchen tönen!

PAPAGENO
Werdich sie auch wohl spielen können?

DREI DAMEN
O ganz gewiß! ja ja gewiß!

ALLE FÜNF
Silberglöckchen, Zauberflöten
Sind zu eurem/unserm Schutz vonnöten!
Lebet wohl! wir wollen gehn!
Lebet wohlauf Wiedersehn!
(Alle wollen gehen.)

TAMINO
Doch, schöne Damen, saget an...

PAPAGENO
...Wo man die Burg wohl finden kann?

BEIDE
Wo man die Burg wohl finden kann?

DREI DAMEN
Drei Knäbchen, jung, schön, hold, und weise
Umschweben euch auf eurer Reise.
Sie werden eure Führer sein,
Folgt ihrem Rate ganz allein.

TAMINO, PAPAGENO
Drei Knäbchen, jung, schön, hold, und weise
Umschweben uns auf unsrer Reise.

DREI DAMEN
Sie werden eure Führer sein,
Folgt ihrem Rate ganz allein.

ALLE
So lebet wohl! wir wollen gehn;
Lebt wohl, lebt wohl, auf Wiedersehn!
(Alle ab.)


Neunter Auftritt

(Zwei Sklaven tragen, sobald das Theater
in ein prächtiges ägyptisches Zimmer verwandelt ist,
schöne Polster nebst
einem prächtigen türkischen Tisch heraus,
breiten Teppiche auf,
sodann kommt der dritte Sklave.)

DRITTER SKLAVE
Ha, ha, ha!

ERSTER SKLAVE
Pst, pst!

ZWEITER SKLAVE
Was soll denn das Lachen?

DRITTER SKLAVE
Unser Peiniger, der alles belauschende Mohr,
wird morgen sicherlich gehangen oder gespießt.
Pamina! Ha, ha, ha!

ERSTER SKLAVE
Nun?

DRITTER SKLAVE
Das reizende Mädchen! Ha, ha, ha!

ZWEITER SKLAVE
Nun?

DRITTER SKLAVE
Ist entsprungen.

ERSTER UND ZWEITER SKLAVE
Entsprungen?

ERSTER SKLAVE
Und sie entkam?

DRITTER SKLAVE
Unfehlbar! Wenigstens ists mein wahrer Wunsch.

ERSTER SKLAVE
O Dank euch, ihr guten Götter!
ihr habt meine Bitte erhört.

DRITTER SKLAVE
Sagtich euch nicht immer,
es wird doch ein Tag für uns scheinen,
wo wir gerochen,
und der schwarze Monostatos bestraft werden wird.

ZWEITER SKLAVE
Was spricht nun der Mohr zu der Geschichte?

ERSTER SKLAVE
Er weiß doch davon?

DRITTER SKLAVE
Natürlich! Sie entlief vor seinen Augen.
Wie mir einige Brüder erzählten,
die im Garten arbeiteten, und von weitem sahen und hörten,
so ist der Mohr nicht mehr zu retten;
auch wenn Pamina von Sarastros
Gefolge wieder eingebracht würde.

ERSTER UND ZWEITER SKLAVE
Wieso?

DRITTER SKLAVE
Du kennst ja den üppigen Wanst und seine Weise;
das Mädchen aber war klüger, als ich dachte.
In dem Augenblicke, da er zu siegen glaubte,
rief sie Sarastros Namen:
das erschütterte den Mohren;
er blieb stumm und unbeweglich stehen
indes lief Pamina nach dem Kanal und schiffte
on selbst in einer Gondel dem Palmwäldchen zu.

ERSTER SKLAVE
O wie wird das schüchterne Reh mit Todesangst
dem Palaste ihrer zärtlichen Mutter zueilen.


Zehnter Auftritt

MONOSTATOS
(Von innen.) He Sklaven!

ERSTER SKLAVE
MonostatosStimme!

MONOSTATOS
He Sklaven! Schafft Fesseln herbei.

DIE DREI SKLAVEN
Fesseln?

ERSTER SKLAVE
(Läuft zur Seitentür.)
Doch nicht für Pamina?
O ihr Götter! da seht, Brüder,
das Mädchen ist gefangen.

ZWEITER UND DRITTER SKLAVE
Pamina? – Schrecklicher Anblick!

ERSTER SKLAVE
Seht, wie der unbarmherzige Teufel
sie bei ihren zarten Händchen faßt.
Das haltich nicht aus.
(Geht auf die andere Seite ab.)

ZWEITER SKLAVE
Ich noch weniger. (Auch dort ab.)

DRITTER SKLAVE
So was sehen zu müssen, ist Höllenmarter! (Ab.)


Elfter Auftritt

6. Terzetto

MONOSTATOS
Du feines Täubchen nur herein!

PAMINA
(Die von Sklaven hereingeführt wird.)
O welche Marter, welche Pein!

MONOSTATOS
Verloren ist dein Leben!

PAMINA
Der Tod macht mich nicht beben;
Nur meine Mutter dauert mich,
Sie stirbt vor Gram ganz sicherlich.

MONOSTATOS
He Sklaven legt ihr Fesseln an;
(Sie legen ihr Fesseln an.)
Mein Haß soll dich verderben!

PAMINA
O laß mich lieber sterben,
Weil nichts, Barbar, dich rühren kann.
(Sie sinkt in Ohnmacht auf ein Sofa.)

MONOSTATOS
Nun fort! Laßt mich bei ihr allein.
(Die Sklaven gehen ab.)


Zwölfter Auftritt

PAPAGENO
(Am Fenster von außen, ohne gleich gesehen zu werden.)
Wo bin ich wohl? wo mag ich sein?
Aha! da findich Leute.
Gewagt; ich gehhinein.
(Geht herein.)
Schön Mädchen jung und rein,
Viel weißer noch als Kreide.

MONOSTATOS UND PAPAGENO
(Sehen sich, erschricht einer über den andern.)
Hu! das ist der Teufel sicherlich.
Hab Mitleid! Verschone mich! Hu, Hu, Hu!
(Laufen beide ab.)


Dreizehnter Auftritt

PAMINA
(Spricht wie im Traum.)
Mutter... Mutter... Mutter!
(Sie erholt sich, sieht sich um)
Wie? Noch schlägt dieses Herz?
Zu neuen Qualen erwacht?
O das ist hart, sehr hart!
Mir bitterer als der Tod.


Vierzehnter Auftritt

PAPAGENO
Bin ich nicht ein Narr, daß ich mich schrecken ließ?
Es gibt ja schwarze Vögel in der Welt,
warum denn nicht auch schwarze Menschen?
Ah, sich! da hier ist das schöne Fräuleinbild noch.
Du Tochter der nächtlichen Königin!

PAMINA
Nächtliche Königin? Wer bist du?

PAPAGENO
Ein Abgesandter der sternflammenden Königin.

PAMINA
(Freudig.) Meiner Mutter? O Wonne! Dein Name!

PAPAGENO
Papageno.

PAMINA
Papageno? Papageno... Ich erinnere mich,
den Namen oft gehört zu haben,
dich selbst aber sah ich nie.

PAPAGENO
Ich dich ebensowenig.

PAMINA
Du kennst also meine gute, zärtliche Mutter?

PAPAGENO
Wenn du die Tochter der nächtlichen Königin bistja!

PAMINA
O ich bin es.

PAPAGENO
Das will ich gleich erkennen.
(Er sieht das Porträt an, welches der Prinz zuvor empfangen,
und Papageno nun an einem Bande am Halse trägt.)
Die Augen schwarz... richtig, schwarz.
Die Lippen rot... richtig, rot.
Blonde Haare... blonde Haare.
Alles trifft ein, bis auf Händund Füße.
Nach dem Gemälde zu schließen,
sollst du weder Hände noch Füße haben;
denn hier sind auch keine angezeigt.

PAMINA
Erlaube mir... Ja ich bins!
Wie kam es in deine Hände?

PAPAGENO
Dir das zu erzählen, wäre zu weitläufig;
es kam von Hand zu Hand.

PAMINA
Wie kam es in die deinige?

PAPAGENO
Auf eine wunderbare Art.
Ich habe es gefangen.

PAMINA
Gefangen?

PAPAGENO
Ich muß dir das umständlicher erzählen.
Ich kam heute früh wie gewöhnlich
zu deiner Mutter Palast mit meiner Lieferung.

PAMINA
Lieferung?

PAPAGENO
Ja, ich liefere deiner Mutter
und ihren Jungfrauen schon seit vielen Jahren
alle die schönen Vögel in den Palast.
Eben, als ich im Begriff war, meine Vögel abzugeben,
sah ich einen Menschen vor mir,
der sich Prinz nennen läßt.
Dieser Prinz hat deine Mutter so eingenommen,
daß sie ihm dein Bildnis schenkte
und ihm befahl, dich zu befreien.
Sein Entschluß, war so schnell,
als seine Liebe zu dir.

PAMINA
(Freudig.) Liebe? Er liebt mich also?
O sage mir das noch einmal,
ich höre das Wort Liebe gar zu gerne.

PAPAGENO
Das glaube ich dir, ohne zu schwören; bist ja ein Fräuleinbild.
Wo blieb ich denn?

PAMINA
Bei der Liebe.

PAPAGENO
Richtig, bei der Liebe!
Das nennich Gedächtnis haben
kurz also, diese große Liebe
zu dir war der Peitschenstreich,
um unsre Füße in schnellen Gang zu bringen;
nun sind wir hier,
dir tausend schöne und angenehme Sachen zu sagen;
dich in unsre Arme zu nehmen,
und, wenn es möglich ist, ebenso schnell,
wo nicht schneller als hierher,
in den Palast deiner Mutter zu eilen.

PAMINA
Das ist alles sehr schön gesagt;
aber lieber Freund!
wenn der unbekannte Jüngling oder Prinz,
wie er sich nennt,
Liebe für mich fühlt,
warum säumt er so lange,
mich von meinen Fesseln zu befreien?

PAPAGENO
Da steckt eben der Haken.
Wie wir von den Jungfrauen Abschied nahmen,
so sagten sie uns, drei holde Knaben
würden unsre Wegweiser sein,
sie würden uns belehren,
wie und auf was Art wir handeln sollen.

PAMINA
Sie lehrten euch?

PAPAGENO
Nichts lehrten sie uns, denn wir haben keinen gesehen.
Zur Sicherheit also war der Prinz so fein, mich voraus zu schicken,
um dir unsre Ankunft anzukündigen.

PAMINA
Freund, du hast viel gewagt!
Wenn Sarastro dich hier erblicken sollte

PAPAGENO
So wird mir meine Rückreise erspart
das kann ich mir denken.

PAMINA
Dein martervoller Tod würde ohne Grenzen sein.

PAPAGENO
Um diesem auszuweichen, so gehen wir lieber beizeiten.

PAMINA
Wie hoch mag wohl die Sonne sein?

PAPAGENO
Bald gegen Mittag.

PAMINA
So haben wir keine Minute zu versäumen.
Um diese Zeit kommt Sarastro gewöhnlich von der Jagt zurück.

PAPAGENO
Sarastro ist also nicht zu Hause?
Pah! da haben wir gewonnenes Spiel!
Komm, schönes Fräuleinbild!
du wirst Augen machen,
wenn du den schönen Jüngling erblickst.

PAMINA
Wohl denn, es sei gewagt!
(Sie gehen, Pamina kehrt um.)
Aber wenn dies ein Fallstrick wäre
wenn dieser nun ein böser Geist von Sarastros Gefolge wäre?
(Sieht ihn bedenklich an.)

PAPAGENO
Ich ein böser Geist?
Wo denkt Ihr hin, Fräuleinbild?
Ich bin der beste Geist von der Welt.

PAMINA
Doch nein;
das Bild hier überzeugt mich,
daß ich nicht getäuscht bin;
es kommt von den Händen meiner zärtlichsten Mutter.

PAPAGENO
Schöns Fräuleinbild,
wenn dir wieder ein so böser Verdacht aufsteigen sollte,
daß ich dich betrügen wollte,
so denke nur fleißig an die Liebe,
und jeder böse Argwohn wird schwinden.

PAMINA
Freund, vergib! vergib!
wenn ich dich beleidigte.
Du hast ein gefühlvolles Herz,
das sehe ich in jedem deiner Züge.

PAPAGENO
Ach, freilich habe ich ein gefühlvolles Herz
aber was nützt mir das alles?
Ich möchte mir oft alle meine Federn ausrupfen,
wenn ich bedenke, daß Papageno noch keine Papagena hat.

PAMINA
Armer Mann! Du hast also noch kein Weib?

PAPAGENO
Nicht einmal ein Mädchen, viel weniger ein Weib!
Ja das ist betrübt!
Und unsereiner hat doch auch bisweilen seine lustigen Stunden,
wo man gern gesellschaftliche Unterhaltung haben möcht’.

PAMINA
Geduld, Freund!
Der Himmel wird auch für dich sorgen;
er wird dir eine Freundin schicken,
ehe du dirs vermutest.

PAPAGENO
Wenn ers nur bald schickte.

7. Duetto

PAMINA
Bei Männern, welche Liebe fühlen,
Fehlt auch ein gutes Herze nicht.

PAPAGENO
Die süßen Triebe mitzufühlen,
Ist dann der Weiber erste Pflicht.

PAPAGENO UND PAMINA
Wir wollen uns der Liebe freun,
Wir leben durch die Lieballein.

PAMINA
Die Liebversüßet jede Plage,
Ihr opfert jede Kreatur.

PAPAGENO
Sie würzet unsre Lebenstage,
Sie wirkt im Kreise der Natur.

PAPAGENO UND PAMINA
Ihr hoher Zweck zeigt deutlich an:
Nichts Edlers sei, als Weib und Mann.
Mann und Weib, und Weib und Mann
Reichen an die Gottheit an.
(Beide ab.)


Fünfzehnter Auftritt

Das Theater verwandelt sich in einen Hain.
Ganz im Grunde der Bühne ist ein schöner Tempel,
worauf diese Worte stehen: “Tempel der Weisheit“;
dieser Tempel führt mit Säulen zu zwei andern Tempeln,
rechts auf dem einen steht: “Tempel der Vernunft“.
Links stehtTempel der Natur“.

(Drei Knaben führen den Tamino herein,
jeder hat einen silbernen Palmzweig in der Hand.)

8. Finale

DREI KNABEN
Zum Ziele führt dich diese Bahn,
Doch mußt du Jüngling männlich siegen,
Drum höre unsre Lehre an:
Sei standhaft, duldsam, und verschwiegen!

TAMINO
Ihr holden Kleinen saget an,
Ob ich Paminen retten kann?

DREI KNABEN
Dies kund zu tun, steht uns nicht an,
Sei standhaft, duldsam und verschwiegen!
Bedenke dies, kurz, sei ein Mann,
Dann Jüngling wirst du männlich siegen.
(Gehen ab.)

TAMINO
Die Weisheitslehre dieser Knaben
Sei ewig mir ins Herz gegraben.
Wo bin ich nun? was wird mit mir?
Ist dies der Sitz der Götter hier?
Doch zeigen die Pfortenes zeigen die Säulen,
Daß Klugheit, und Arbeit, und Künste hier weilen.
Wo Tätigkeit thronet und Müßiggang weicht,
Erhält seine Herrschaft das Laster nicht leicht.
Ich wage mich mutig zur Pforte hinein.
Die Absicht ist edel, und lauter, und rein.
Erzittre, feiger Bösewicht!
Paminen retten ist mir Pflicht.
(Geht an die Pforte rechts, macht sie auf,
und als er hinein will, hört man von fern eine Stimme.)

EINE STIMME
Zurück!

TAMINO
Zurück? zurück? so wagich hier mein Glück!
(Geht an die Pforte links. Eine stimme von innen.)

EINE STIMME
Zurück!

TAMINO
Auch hier ruft man: „zurück?“
(Sieht sich um.)
Da sehich noch eine Tür.
Vielleicht findich den Eingang hier!
(Er klopft, ein alter Priester erscheint.)

PRIESTER
Wo willst du kühner Fremdling hin?
Was suchst du hier im Heiligtum?

TAMINO
Der Liebund Tugend Eigentum.

PRIESTER
Die Worte sind von hohem Sinn
Allein, wie willst du diese finden?
Dich leitet Liebund Tugend nicht,
Weil Tod und Rache dich entzünden.

TAMINO
Nur Rache für den Bösewicht.

PRIESTER
Den wirst du wohl bei uns nicht finden.

TAMINO
(Schnell.) Sarastro herrscht in diesen Gründen?

PRIESTER
Ja, ja, Sarastro herrschet hier.

TAMINO
Doch in dem Weisheit Tempel nicht?

PRIESTER
(Langsam.) Er herrscht im Weisheitstempel hier!

TAMINO
So ist denn alles Heuchelei!
(Will gehen.)

PRIESTER
Willst du schon wieder gehn?

TAMINO
Ja ich will gehen, froh, und fre
Nie euren Tempel sehn!

PRIESTER
Erklär dich näher mir,
Dich täuschet ein Betrug!

TAMINO
Sarastro wohnet hier,
Das ist mir schon genug!

PRIESTER
Wenn du dein Leben liebst,
So rede, bleibe da!
Sarastro hassest du?

TAMINO
Ich haß’ ihn ewig, ja!

PRIESTER
Nun gib mir deine Gründe an!

TAMINO
Er ist ein Unmensch, ein Tyrann!

PRIESTER
Ist das, was du gesagt, erwiesen?

TAMINO
Durch ein unglücklich Weib bewiesen,
Das Gram und Jammer niederdrückt!

PRIESTER
Ein Weib hat also dich berückt?
Ein Weib tut wenig, plaudert viel,
Du Jüngling glaubst dem Zungenspiel
O legte doch Sarastro dir
Die Absicht seiner Handlung für.

TAMINO
Die Absicht ist nur allzuklar!
Riß nicht der Räuber ohnErbarmen
Pamina aus der Mutter Armen?

PRIESTER
Ja Jüngling was du sagst, ist wahr!

TAMINO
Wo ist sie, die er uns geraubt?
Man opferte vielleicht sie schon?

PRIESTER
Dir dies zu sagen, teurer Sohn,
Ist jetzt und mir noch nicht erlaubt.

TAMINO
Erklär dies Rätsel, täusch mich nicht!

PRIESTER
Die Zunge bindet Eid und Pflicht!

TAMINO
Wann also wird die Decke schwinden?

PRIESTER
Sobald dich führt der Freundschaft Hand
Ins Heiligtum zum ewgen Band.
(Geht ab.)

TAMINO
(Allein.) O ewge Nacht! wann wirst du schwinden? –
wann wird das Licht mein Auge finden?

CHOR
(Von innen.)
Bald, Jüngling, oder nie?

TAMINO
Bald sagt ihr oder nie?
Ihr Unsichtbaren, saget mir;
Lebt denn Pamina noch?

CHOR
Pamina lebet noch!

TAMINO
(Freudig.)
Sie lebt! Ich danke euch dafür.
(Nimmt seine Flöte heraus.)
O wenn ich doch im Stande wäre,
Allmächtige, zu eurer Ehre, mit jedem Tone
meinen Dank zu schildern, wie er hier entsprang.
(Aufs Herz deutend. Er spielt.
Es kommen wilde Tiere von allen Arten hervor, ihm zuzuhören.
Er hört auf, und sie fliehen.
Die Vögel pfeifen dazu.)

Wie stark ist nicht dein Zauberton,
Weil holde Flöte durch dein Spielen
Selbst wilde Tiere Freude fühlen.
Doch nur Pamina, nur Pamina bleibtdavon.
(Spielt.)
Pamina! Pamina! höre, höre mich!
(Spielt.)
Umsonst! Umsonst!
(Spielt.)
Wo? Ach, wo, wo findich dich
(Spielt, Papageno antwortet von innen mit seinem Flötchen.)
Ha, das ist Papagenos Ton!
(Spielt. Papageno antwortet.)
Vielleicht sah er Paminen schon!
Vielleicht eilt sie mit ihm zu mir!
Vielleicht führt mich der Ton zu ihr.
(Er eilt ab.)


Sechzehnter Auftritt

PAMINA UND PAPAGENO
(Ohne Fesseln.)
Schnelle Füße, rascher Mut
Schützt vor Feindes List und Wut.
Fänden wir Tamino doch!
Sonst erwischen sie uns noch!

PAMINA
Holder Jüngling!

PAPAGENO
Stille, stille, ich kanns besser,
(Pfeift, Tamino antwortet von innen auf seiner Flöte.)

PAMINA UND PAPAGENO
Welche Freude ist wohl größer!
Freund Tamino hört uns schon.
Hieher kam der Flötenton.
Welch ein Glück, wenn ich ihn finde,
Nur geschwinde! Nur geschwinde!


Siebzehnter Auftritt

(Wollen hineingehen.)

MONOSTATOS
(Ihrer spottend.)
Nur geschwinde! Nur geschwinde!
Ha habich euch noch erwischt!
Nur herbei mit Stahl und Eisen;
Wart’, man wird euch Mores weisen!
Den Monostatos berücken!
Nur herbei mit Band und Stricken,
He ihr Sklaven kommt herbei!

PAMINA UND PAPAGENO
Ach! nun ists mit uns vorbei!

MONOSTATOS
He! ihr Sklaven kommt herbei!

(Die Sklaven kommen mit Fesseln.)

PAPAGENO
Wer viel wagt gewinnt oft viel!
Komm du schönes Glockenspiel,
Laß die Glöckchen klingen, klingen,
Daß die Ohren ihnen singen.

(Schlägt auf seinem Instrument. Gehen marschmäßig ab.)

MONOSTATOS UND SKLAVEN
Das klinget so herrlich,
Das klinget so schön!
La-ra-la la la, la-ra-la, la la la-ra-la!
Nie habich so etwas
Gehört und gesehn!
La-ra-la la la, la-ra-la, la la la-ra-la!
(Gehen marschmäßig ab.)

PAMINA UND PAPAGENO
(Lacht.)
Könnte jeder brave Mann
Solche Glöckchen finden,
Seine Feinde würden dann
Ohne Mühe schwinden,
Und er lebte ohne sie
In der besten Harmonie,
Nur der Freundschaft Harmonie
Mildert die Beschwerden,
Ohne diese Sympathie
Ist kein Glück auf Erden.

CHOR
(Von innen.)
Es lebe Sarastro! Sarastro lebe!

PAPAGENO
Was soll dies bedeuten? Ich zittre, ich bebe!

PAMINA
O Freund! nun ists um uns getan!
Dies kündigt den Sarastro an!

PAPAGENO
O wärich eine Maus,
Wie wolltich mich verstecken
Wär ich so klein wie Schnecken,
So kröchich in mein Haus!
Mein Kind, was werden wir nun sprechen?

PAMINA
Die Wahrheit! Die Wahrheit,
Sei sie auch Verbrechen!


Achtzehnter Auftritt

(Ein Zug von Gefolge;
zuletzt fährt Sarastro auf einem Triumphwagen heraus,
der von sechs Löwen gezogen wird.)

CHOR
Es lebe Sarastro! Sarastro soll leben!
Er ist es, dem wir uns mit Freuden ergeben!
Stets möger des Lebens als Weiser sich freun.
Er ist unser Abgott, dem alle sich weihn.
(Dieser Chor wird gesungen,
bis Sarastro aus dem Wagen ist.)

PAMINA
(Kniet.)
Herr, ich bin zwar Verbrecherin!
Ich wollte deiner Macht entfliehn!
Allein die Schuld ist nicht an mir!
Der böse Mohr verlangte Liebe,
Darum, o Herr, entfloh ich dir.

SARASTRO
Steh auf, erheitre dich, o Liebe;
Denn ohne erst in dich zu dringen,
Weiß ich von deinem Herzen mehr,
Du liebest einen andern sehr.
Zur Liebe will ich dich nicht zwingen,
Doch gebich dir die Freiheit nicht.

PAMINA
Mich rufet ja die Kindespflicht,
Denn meine Mutter...

SARASTRO
...Steht in meiner Macht.
Du würdest um dein Glück gebracht,
Wenn ich dich ihren Händen ließe.

PAMINA
Mir klingt der Mutter Namen süße.
Sie ist es...

SARASTRO
Und ein stolzes Weib.
Ein Mann muß eure Herzen leiten,
Denn ohne ihn pflegt jedes Weib
Aus ihrem Wirkungskreis zu schreiten.


Neunzehnter Auftritt

MONOSTATOS
Na, stolzer Jüngling nur hieher!
Hier ist Sarastro, unser Herr!

PAMINA
(Sieht Tamino.)
Er ists!

TAMINO
(Sieht Pamina.)
Sie ists,

PAMINA
Ich glaubes kaum!

TAMINO
Sie ists!

PAMINA
Er ists!

TAMINO
Es ist kein Traum!

PAMINA
Es schling mein Arm sich um ihn her!

TAMINO
Es schling mein Arm sich um sie her!

TAMINO UND PAMINA
Und wenn es auch mein Ende wär!

CHOR
Was soll das heißen?

MONOSTATOS
Welch eine Dreistigkeit!
Gleich auseinander! das geht zu weit!
(Trennt sie; kniet [dann vor Sarastro] nieder.)
Dein Sklave liegt zu deinen Füßen,
Laß den verwegnen Frevler büßen.
Bedenk, wie frech der Knabe ist!
Durch dieses seltnen Vogels List
Wollter Paminen dir entführen,
Allein ich wußtihn auszuspüren.
Du kennst mich! – meine Wachsamkeit.

SARASTRO
Verdient, daß man ihr Lorbeer streut.
He! gebt dem Ehrenmann sogleich...

MONOSTATOS
Schon deine Gnade macht mich reich.

SARASTRO
...Nur sieben und siebenzig Sohlenstreich’.

MONOSTATOS
Ach Herr, den Lohn verhofftich nicht!

SARASTRO
Nicht Dank! es ist ja meine Pflicht!

(Monostatos wird fortgeführt.)

CHOR
Es lebe Sarastro, der göttliche Weise,
Er lohnet und strafet in ähnlichem Kreise.

SARASTRO
Führt diese beiden Fremdlinge
In unsern Prüfungstempel ein,
Bedecket ihre Häupter dann
Sie müssen erst gereinigt sein.

(Zwei bringen eine Art Sack
und bedecken die Häupter der beiden Fremden.)

CHOR
Wenn Tugend und Gerechtigkeit
Der Großen Pfad mit Ruhm bestreut,
Dann ist die Erdein Himmelreich,
Und Sterbliche den Göttern gleich.



Zweiter Aufzug


Erster Auftritt

Das Theater ist ein Palmwald;
alle Bäume sind silberartig,
die Blätter von Gold. 18 Sitze von Blättern;
auf einem jeden Sitze steht eine Pyramide
und ein großes, schwarzes Horn mit Gold gefaßt.
In der Mitte ist die größte Pyramide,
auch die größten Bäume.

(Sarastro nebst andern Priestern kommen
in feierlichen Schritten, jeder mit einem Palmzweige in der Hand.)

9. Marscia

SARASTRO
(Nach einer Pause.)
Ihr, in dem Weisheitstempel eingeweihten
Diener der großen Götter Osiris und Isis!
Mit reiner Seele erklärich euch,
daß unsre heutige Versammlung
eine der wichtigsten unsrer Zeit ist.
Tamino, ein Königssohn, 20 Jahre seines Alters,
wandelt an der nördlichen Pforte unsers Tempels
und seufzt mit tugendvollem Herzen nach einem Gegenstande,
den wir alle mit Mühe und Fleiß erringen müssen.
Kurz, dieser Jüngling will seinen nächtlichen Schleier von sich reißen
und ins Heiligtum des größten Lichtes blicken.
Diesen Tugendhaften zu bewachen,
ihm freundschaftlich die Hand zu bieten,
sei heute eine unsrer wichtigsten Pflichten.

ERSTER PRIESTER
(Steht auf.) Er besitzt Tugend?

SARASTRO
Tugend!

ZWEITER PRIESTER
Auch Verschwiegenheit?

SARASTRO
Verschwiegenheit!

DRITTER PRIESTER
Ist wohltätig?

SARASTRO
Wohltätig!
Haltet ihr ihn für würdig,
so folgt meinem Beispiele.
(Sie blasen dreimal in die Hörner.)
Gerührt über die Einigkeit eurer Herzen,
dankt Sarastro euch im Namen der Menschheit.
Mag immer das Vorurteil
seinen Tadel über uns Eingeweihte auslassen!
Weisheit und Vernunft zerstückt es gleich
dem Spinnengewebe.
Unsere Säulen erschüttern sie nie.
Jedoch, das böse Vorurteil soll schwinden;
und es wird schwinden, sobald Tamino selbst
die Größe unserer schweren Kunst besitzen wird.
Pamina, das sanfte, tugendhafte Mädchen,
haben die Götter dem holden Jünglinge bestimmt;
dies ist der Grundstein,
warum ich sie der stolzen Mutter entriß.
Das Weib dünkt sich groß zu sein;
hofft durch Blendwerk und Aberglauben das Volk zu berücken
und unsern festen Tempelbau zu zerstören.
Allein, das soll sie nicht;
Tamino, der holde Jüngling selbst,
soll ihn mit uns befestigen
und als Eingeweihter der Tugend Lohn,
dem Laster aber Strafe sein.

(Der dreimalige Akkord in den Hörnern wird von allen
wiederholt.)

SPRECHER
(Steht auf.)
Großer Sarastro, deine weisheitsvollen
Reden erkennen und bewundern wir;
allein, wird Tamino auch
die harten Prüfungen, so seiner warten, bekämpfen?
Verzeih, daß ich so frei bin,
dir meinen Zweifel zu eröffnen!
Mich bangt es um den Jüngling.
Wenn nun im Schmerz dahingesunken
sein Geist ihn verließe,
und er dem harten Kampfe unterläge? Er ist Prinz!

SARASTRO
Noch mehr! Er ist Mensch!

SPRECHER
Wenn er nun aber in seiner frühen Jugend leblos erblaßte?

SARASTRO
Dann ist er Osiris und Isis gegeben
und wird der Götter Freuden früher fühlen als wir.
(Der dreimalige Akkord wird wiederholt.)
Man führe Tamino mit seinem Reisegefährten
in den Vorhof des Tempels ein.
(Zum Sprecher, der vor ihm niederkniet.)
Und du, Freund! den die Götter
durch uns zum Verteidiger der Wahrheit bestimmten
vollziehe dein heiliges Amt
und lehre durch deine Weisheit beide,
was Pflicht der Menschheit sei,
lehre sie die Macht der Götter erkennen.

(Sprecher geht mit einem Priester ab, alle Priester
stellen sich mit ihren Palmzweigen zusammen.)

10. Aria con coro

SARASTRO
O Isis und Osiris, schenket
Der Weisheit Geist dem neuen Paar!
Die ihr der Wandrer Schritte lenket,
Stärkt mit Geduld sie in Gefahr.

CHOR
Stärkt mit Geduld sie in Gefahr.

SARASTRO
Laßt sie der Prüfung Früchte sehen.
Doch sollten sie zu Grabe gehen,
So lohnt der Tugend kühnen Lauf,
Nehmt sie in euren Wohnsitz auf!

CHOR
Nehmt sie in euren Wohnsitz auf!

(Sarastro geht voraus,
dann alle ihm nach ab.)

Zweiter Auftritt

Nacht, der Donner rollt von weitem.
Das Theater verwandelt sich in einen kurzen Vorhof des Tempels,
wo man Rudera von eingefallenen Säulen
und Pyramiden sieht, nebst einigen Dornbüschen.
An beiden Seiten stehen praktikable hohe,
altägyptische Türen, welche mehr Seitengebäude vorstellen.

(Tamino und Papageno werden vom Sprecher
und dem andern Priester hereingeführt;
sie lösen ihnen die Säcke ab;
die Priester gehen dann ab.)

Dialog

TAMINO
Eine schreckliche Nacht!
Papageno, bist du noch bei mir?

PAPAGENO
I, freilich!

TAMINO
Wo denkst du, dass wir uns nun befinden?

PAPAGENO
Wo? Ja, wenns nicht so finster wäre, wolltich dirs schon sagen,
aber so... (Donnerschlag.)
O weh!

TAMINO
Was ists?

PAPAGENO
Mir wird nicht wohl bei der Sache!

TAMINO
Du hast Furcht, wie ich höre.

PAPAGENO
Furcht eben nicht, nur eiskalt läufts mir über den Rücken.
(Starker Donnerschlag.)
O weh!

TAMINO
Was solls?

PAPAGENO
Ich glaube, ich bekomme ein kleines Fieber.

TAMINO
Pfui, Papageno! Sei ein Mann!

PAPAGENO
Ich wollt’, ich wärein Mädchen!
(Ein sehr starker Donnerschlag.)
O! O! O! Das ist mein letzter Augenblick!


Dritter Auftritt

(Der Sprecher und andere Priester erscheinen mit Fackeln.)

SPRECHER
Ihr Fremdlinge, was sucht oder fordert ihr von uns?
Was treibt euch an, in unsre Mauern zu dringen?

TAMINO
Freundschaft und Liebe.

SPRECHER
Bist du bereit, es mit deinem Leben zu erkämpfen?

TAMINO
Ja!

SPRECHER
Auch wenn Tod dein Los wäre?

TAMINO
Ja!

SPRECHER
Prinz, noch ists Zeit zu weichen
einen Schritt weiter, und es ist zu spät.

TAMINO
Weisheitslehre sei mein Sieg;
Pamina, das holde Mädchen, mein Lohn.

SPRECHER
Du unterziehst jeder Prüfung dich?

TAMINO
Jeder!

SPRECHER
Reiche deine Hand mir!
(Sie reichen sich die Hände.) So!

ZWEITER PRIESTER
(Zu Papageno.)
Ehe du weiter sprichst, erlaube mir,
ein paar Worte mit diesem Fremdlinge zu sprechen.
Willst auch du dir Weisheitsliebe erkämpfen?

PAPAGENO
Kämpfen ist meine Sache nicht.
Ich verlangauch im Grunde gar keine Weisheit.
Ich bin so ein Naturmensch,
der sich mit Schlaf, Speise und Trank begnügt;
und wenn es ja sein könnte, daß ich mir einmal
ein schönes Weibchen fange.

ZWEITER PRIESTER
Die wirst du nie erhalten,
wenn du dich nicht unsern Prüfungen unterziehst.

PAPAGENO
Worin besteht diese Prüfung?

ZWEITER PRIESTER
Dich allen unsern Gesetzen unterwerfen,
selbst den Tod nicht scheuen.

PAPAGENO
Ich